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ASF: Frauen und Männer sind gleich – auch beim Lohn?

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen hatte zu einer Veranstaltung anlässlich des Equal Pay Day in die Eislinger Stadthalle eingeladen. „Frauen und Männer sind gleich – auch beim Lohn?“ lautete der Titel.
Der Equal Pay Day wurde dieses Jahr am 23. März begangen und markiert den Zeitraum, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um auf das Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Die ASF-Kreisvorsitzende Dr. Heide Kottmann hob in ihrer Begrüßung hervor, dass der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern bundesweit immer noch bei 23 % liegt, in Baden-Württemberg sind es sogar 28 %. Ruth Weckenmann, Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, beleuchtete in ihrem Referat die Gründe für diese Entgeltungleichheit.
In den Nachkriegsjahren seien Frauen gezielt aus dem Arbeitsmarkt gedrängt und das Bild der Frau als Hausfrau und Mutter propagiert worden. Eine Berufstätigkeit war Frauen nur erlaubt, wenn sie dies mit ihren Familienpflichten vereinbaren konnten. Mit der Einführung von Leichtlohngruppen in Tarifverträgen begann die Entgeltungleichheit. Diese wurden zwar 1988 verboten, doch hatte bis dahin die Teilzeitarbeit durch die Einführung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse stark zugenommen. Nach der Wiedervereinigung nahm die bislang hohe Erwerbsquote von Frauen in den Neuen Ländern stark ab.
„Die schulische Qualifikation von jungen Frauen ist deutlich gestiegen“, so Ruth Weckenmann. Doch die bestausgebildetste Frauengeneration aller Zeiten - mehr junge Frauen als junge Männer legen heutzutage den Realschulabschluss oder die Hochschulreife ab, und das auch noch mit besseren Notendurchschnitten – wählt ihren Beruf aus einem sehr eingeschränkten Berufsspektrum. „Die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen arbeitet in 5 von 87 Berufsgruppen“, bedauerte die Arbeitsmarktexpertin. Das seien Büroberufe, Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich, im Reinigungs- und Entsorgungsbereich sowie im Verkauf. Hier gelte es anzusetzen.
Obwohl die Erwerbsquote von Frauen in den letzten 30 Jahren um über 20 Prozent zugenommen hat, beschränkt sich dieser Zuwachs vor allem auf Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigungsverhältnisse. Aber auch bei vollzeitbeschäftigten Führungskräften gibt es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und das sowohl bei typischen Männer- als auch bei Frauenberufen. Die Folgen sind dramatisch: „Aus einer Lohnlücke von 23 Prozent wird eine Rentenlücke von 59 Prozent“, konstatiert Ruth Weckenmann. Rentnerinnen seien häufiger arm: Frauen bezögen mehr als doppelt so oft eine Grundsicherung als Männer. Deshalb sei die Bundesratsinitiative zur Bekämpfung der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern, die Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) plant, längst überfällig und daher sehr zu begrüßen.