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ASF und AfA: Gleichstellung – Für eine gerechte und vielfältige Gesellschaft


v.l.: Andrea Schiele, Annette Leube und Jürgen Lämmle

„Gleichstellung – quo vadis?“ lautete der Titel einer Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) und der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der Stadthalle Eislingen. Es diskutierten Andrea Schiele, ASF-Landesvorsitzende, Jürgen Lämmle, Ministerialdirektor a.D., und Annette Leube, Schuldekanin. Die Moderation hatte Martin Bauch.
In ihrer Begrüßung verwies die ASF-Kreisvorsitzende Dr. Heide Kottmann auf die gleichstellungspolitischen Errungenschaften, die in den letzten Jahrzehnten erreicht wurden. Vieles davon sei zur Selbstverständlichkeit geworden. Mit Sorge betrachte sie aber den Aufmarsch von Traditionalisten, die das Erreichte in Frage stellen und einen Roll-Back anstreben, hin zum klassischen Familienbild und einer Gesellschaft, in der kein Platz für Vielfalt ist.
Der Anteil an Frauen in der evangelischen Kirche und den öffentliche Verwaltungen beträgt 30 % bzw. über 50 %, allerdings finden sich nur wenige in Führungspositionen. In den Parlamenten dagegen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert. Ohne gesetzliche Maßnahmen  werde sich daran in absehbarer Zeit auch nichts ändern. „Auch wenn es formal keine tariflichen Unterschiede bei der Entlohnung gibt, entsteht im Verlauf des Erwerbslebens eine immer größere Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern“, betonte Andrea Schiele. Dies sei einerseits bedingt durch Erziehungs- und Pflegezeiten und daraus oftmals resultierender Teilzeitbeschäftigung, andererseits aber auch durch die Berufswahl: Während für junge Männer die Frage im Vordergrund stehe, ob damit eine Familie ernährt werden könne, ließen sich junge Mädchen von der Frage leiten, ob sich Beruf und Familie vereinbaren lasse. Hier seien die traditionellen Rollenbilder noch stark in den Köpfen der Menschen verankert, so Jürgen Lämmle. Und leider sei die Arbeit eines Facharbeiters immer noch höher dotiert als die volkswirtschaftlich genauso wertvolle Arbeit an Menschen, wie sie z.B. Erzieherinnen und Pflegekräfte leisten. Hinzu komme, so Annette Leube, dass Frauen sich bei Bewerbungen viel selbstkritischer hinterfragen.
Bei Gleichstellung gehe es nicht nur um Frauenförderung, sondern um eine gerechte Gesellschaft. Bis zur vollständigen Gleichstellung, wie sie in Artikel 3 unseres Grundgesetzes formuliert ist, sei es noch ein langer Weg. In einer Zeit, in der Emotionen geschürt und Fakten immer weniger gehört werden, in der Arbeitslosigkeit als Schimpfwort gilt, in der Menschen z.B. aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer Behinderung ausgegrenzt werden, müssen unsere Vorstellungen einer vielfältigen Gesellschaft offen und mutig vertreten werden, so das Fazit der Diskussion. Klaus-Peter Grüner fasste es in seinem Schlusswort zusammen: „Wir wollen keine undemokratischen Brandstifter und ihre rückwärtsgewandte Politik!“